Äthiopiens wilder Arabica Kaffee

Der Weg, um in Äthiopien wilden Kaffee zu ernten, führt einen quer durch Wege mit bemoosten, tief hängenden Ästen, seilartigen Lianen und schmalen, wild wachsenden Kaffeebäumen, die beim Versuch der Affen, an die süßen Früchte zu gelangen, gebrochen wurden. Die Sonne versucht ihren Weg durch das grüne Dickicht zu bahnen und Affen beobachten einen aus der Ferne. Eine solch reichhaltige Biodiversität und nahrhafter Boden ist die perfekte Grundlage für feinsten, wilden Arabica Kaffee. 

Diese wilden Kaffeewälder in Äthiopiens Kafa Region, ungefähr 300 Meilen entfernt von der Hauptstadt
Addis Abeba, sind die Geburtsstätte und das Herz von Kaffee und einer der einzigen Orte dieser Welt, wo er immer noch wild wächst. Während zwar die Früchte sehr ähnlich zu denen des kultivierten Kaffees scheinen, so unterschiedlich sind die Bäume. Farbenfrohe Orchideen und Kletterpflanzen schlingen sich um die Äste, der Baum trägt wenig Blätter und wenig Früchte. Den größten Teil ihrer Energie verwenden sie, um einfach nur zu überleben. Deswegen wachsen sie  langsam und produzieren nur so viel wie nötig ist, um ihre Art am Leben zu halten. 

Äthiopiens einmalige Kaffewälder unterscheiden sich in noch einem weiteren Faktor von dem restlichen Arabica der Welt: Ein verheerender Pilz, der als Blattrost bekannt ist, wird von ihnen auf natürliche Weise in Schach gehalten. Lateinamerika produziert fast 85% des weltweiten Arabica Kaffees und dieser Kaffee ist in Gefahr. Arabica ist eine selbstbestäubende Bohne, er befruchtet sich in 95% der Fälle also selbst und kann sich theoretisch nur anhand einer kleinen Menge Saamen enorm ausbreiten. Als Resultat ist kultivierter Arabica Kaffee genetisch immer schwächer geworden und nicht fähig, sich Krankheiten wie dem Blattrost und den sich immer stärker verändernden Temperaturen anzupassen, die die Produktion in Lateinamerika konfrontieren. Kaffeeblattrost, welcher schon öfters die Kaffeeanbaugebiete dezimiert hat, hat die lateinamerikanische Industrie ins Wanken gebracht.

Je größer die genetische Vielfältigkeit einer Pflanzenart, desto höher sind seine Chancen, sich solchen Gefahren anzupassen. Gleichzeitig kann bei einer höheren genetischen Vielfalt auch dem Markt mehr geboten werden. Das bedeutet höhere Erträge, interessante neue Aromen oder – eine Art heiliger Gral – natürlich entkoffeinierte Bohnen. Die Diversität in Äthiopien ist reicher als irgendwo anders – es wurde sogar geschätzt, dass Äthiopien 99,8% der genetischen Vielfalt von Arabica besitzt. 

Trotz großer Bemühungen drohen die wilden Kaffeebäume jedoch in weniger als 60 Jahren auszusterben. Für die Einheimischen, die in und um Äthiopiens Kaffeewälder leben, wäre dies katastrophal. Doch auch viele kaffeebegeisterte Liebhaber, Züchter und Farmer auf der ganzen Welt machen sich Sorgen. 

Äthiopien hat eine der weltweit am schnellsten wachsenden Populationen. Im Jahr 2000 waren es 66 Millionen Menschen; heute sind es 115 Millionen. Solch ein Wachstum bedarf natürlich auch mehr Anbauflächen und somit steigt auch die Gefahr der Abholzung. Anfang des 20. Jahrhunderts nahmen die Wälder noch ca. 35 Prozent der Fläche ein. Heute sind es nur noch 4 Prozent. 

Jahrzehntelang sah es so aus, als würde die Abholzung auch die Kaffeewälder in Mitleidenschaft ziehen und mit ihnen die genetische Vielfalt, die sie beherbergen. Während Wissenschaftler wilde Sorten anderer wichtiger Pflanzen in Samenbanken und Genreserven konservieren, lagern sich Kaffeesamen mit solchen herkömmlichen Methoden nicht gut. Der beste Ort, um ihre genetischen Ressourcen zu schützen, ist in ihrem ursprünglichen Zuhause. Heute scheint die Gefahr der Abholzung wenigstens in manchen Teilen Äthiopiens unter Kontrolle gebracht worden zu sein. Dies ist zum Teil auf die partizipative Waldbewirtschaftung zurückzuführen, ein beliebtes Programm, das das Recht zur Bewirtschaftung und Nutzung der erneuerbaren Ressourcen eines Waldes – Wildkaffee, Honig, Gewürze wie Kardamom – von der Regierung auf eine lokale Gemeinde überträgt. Im Gegenzug ist die Gemeinde für ihre Erhaltung verantwortlich.

Die größte Bedrohung für wilde Arabica ist jedoch der Klimawandel. Arabica ist hochempfindlich und kann deswegen nur in einem engen Bereich von Bedingungen überleben. Es wurde prognostiziert, dass die Orte, an denen Wildkaffee wachsen kann, bis 2080 um 65 Prozent abnehmen werden. Dies ist das beste Szenario. Der schlimmste Fall zeigte eine Verringerung um 99,7 Prozent, wobei die Populationen wilder Arabica-Bäume um 40 bis 99 Prozent zurückgingen.

 

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