Was bedeutet fairer Kaffeehandel? – Die Abschaffung der Kaffeesteuer

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller setzt sich für eine Abschaffung der Kaffeesteuer für nachhaltig produzierten und fair gehandelten Kaffee ein. Was halten wir von Solino Kaffee von dieser Initiative?

 

Zum Hintergrund

In Deutschland fällt pro Kilogramm geröstetem Kaffee eine pauschale Kaffeesteuer von 2,19 EUR an. Dies geschieht unabhängig davon, ob Kaffee hier in Deutschland produziert oder wie bei uns schon komplett verarbeitet importiert wird. Durch den hohen Kaffeekonsum in Deutschland fließen so über eine Milliarde Euro in den Bundeshaushalt. Hinzu kommt die übliche Mehrwertsteuer, sodass ein erheblicher Teil des Endpreises dem deutschen Staat zugutekommt. Vielleicht noch interessant: Das Gesetz stammt ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert. Deutschland ist eines der wenigen Länder, die diese Steuer überhaupt erheben.

 

Das Problem

Um trotz der hohen Abgaben an den Staat und teils sehr hohen Gewinnerwartungen wettbewerbsfähige Preise anbieten zu können, werden auf der ganzen Welt Einkommen von Kaffeebauern so stark reduziert, dass sie davon kaum leben können. Kinderarbeit auf den Feldern gehört hierdurch oftmals zum traurigen Alltag der betroffenen Familien – 25 Millionen hiervon leben weltweit direkt oder indirekt von der Kaffeeernte.

 

 

 

 

Die Idee

Das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt sich für die Befreiung von der Kaffeesteuer für „nachhaltig produzierten und fair gehandelten Kaffee“ ein. Auf diese Weise sollen die Preise für fairen Kaffee sinken, wodurch der Wettbewerbsnachteil gegenüber Billigware verringert wird. Die Konsumenten sollen so öfter zum fairen Kaffee greifen, bei dem die Kaffeebauern entsprechend höhere Einkommen erhalten

 

 

Unsere Meinung 

Auch wir sehen, dass zu wenig Geld bei den Kaffeebauern ankommt. Niedrige Erträge, hoher Preisdruck und eine zu hohe Anzahl an Zwischenhändlern sind hier die Hauptgründe. Daher sind wir grundsätzlich auch für eine solche Lösung. Wir glauben daran, dass dies die Lebensbedingungen der Menschen verbessern kann. Die Frage ist jedoch, ob die gesunkenen Preise auch wirklich beim Konsumenten ankommen, der dadurch zum Kauf fairer Produkte motiviert wird. Eine Möglichkeit wäre es auch, dass die Steuerersparnis den Kaffeebauern vor Ort direkt zugutekommt. Wichtig ist sicherlich, dass nur Unternehmen profitieren, die nachweislich einen Großteil ihres Sortiments auf „fair“ umgestellt haben. Und genau da kommen wir zum Punkt: Was bedeutet an dieser Stelle fair und wie kann dies gemessen werden? Steuervorteile müssen unserer Meinung nach an Nachhaltigkeitsziele gekoppelt sein. Dies muss auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene geschehen.

 

Nachhaltige Anbautechniken, keine Kinderarbeit und Transparenz sind dabei nur beispielhafte Stichworte. Zudem darf ein Siegel allein nicht das Allheilmittel sein.  Wir glauben an die Verarbeitung im Ursprung. Durch die Schaffung qualifizierter Jobs verbessert sich die Lebenssituation der Menschen nachhaltig. Die Verarbeitung in den Anbauländern ist sicherlich anspruchsvoller als der reine Kaffeeanbau – und es braucht Ausbildung. Dadurch erhöhen sich jedoch die Einkommen automatisch und sind zudem unabhängig vom schwankenden Weltmarktpreis des Kaffees. Ein Kaffeeröster oder Drucker verdient immer das gleiche. Sein Lohn sinkt nicht, wenn an den Börsen der Rohkaffeepreis sinkt. Übrigens: Bis 2008 gab es einen Zollsatz von 30% auf den Import von bereits verarbeitetem Kaffee nach Deutschland und andere Industrieländer. Dies hatte die Weiterverarbeitung in den Kaffeeanbauländern bis dahin natürlich deutlich erschwert. 2008 wurde diese Praxis jedoch richtigerweise beendet.

 

Fazit 

Die Idee ist gut und richtig. Die Umsetzung ist eine einmalige Chance. Die Regierung muss darauf achten, dass die Kaffeebauern auch wirklich profitieren und die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Sie muss bei der Definition „fairer Produkte“ genau sein und die effektivsten Hebel – wie beispielsweise die Weiterverarbeitung direkt in den Anbauländern ohne Zwischenhändler – berücksichtigen. Nur dann erfüllt der Vorstoß seinen Zweck.

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