Die Rolle der Frau in der Kaffeeindustrie

Frauenrechte haben weltweit deutlich an Bedeutung gewonnen. Das ist wichtig und gut so. Zwei Drittel der von Armut betroffenen Menschen sind Frauen. Obwohl sie die Hauptarbeit im Agrarsektor leisten, haben sie wenig Rechte und werden oft stark benachteiligt.

Diese Problematik wird besonders beim Kaffeeanbau deutlich: 70 Prozent der Feldarbeit, der Ernte und des anschließenden Sortierens der Kaffeebohnen ist Frauensache. Männer hingegen übernehmen insbesondere den Verkauf und den Transport des Kaffees. In der Regel behalten sie auch die Erlöse aus dem Verkauf. Wie kann das sein und was kann getan werden, um der Ungleichheit der Geschlechter entgegenzuwirken?

Eyerus ist seit 2015 fester Bestandteil der Solino-Rösterei, sie arbeitet in der Produktion. „Seit ich mit Solino arbeite, habe ich viele neue Fähigkeiten erlernt, die mir sehr nützlich sein werden“, sagt sie. Für Frauen in Äthiopien ist der Zugang zu guter Bildung und einem bezahlten Job nicht einfach: Häufig müssen sie der Mutter im Haushalt oder auf dem Feld helfen, sind täglich stundenlang damit beschäftigt, Feuerholz zu sammeln oder Wasser zu holen. Vor allem aber werden sie nicht selten früh verheiratet und kümmern sich von da an selbst um den Haushalt und die Erziehung der Kinder. Ihre schulische Laufbahn müssen sie dann beenden.

Eyerus ist glücklich darüber, den gesamten Prozess der Kaffeeproduktion kennengelernt zu haben: von der Reinigung der grünen Bohnen über das Rösten und Etikettieren bis hin zur Verpackung. Sie verdient das 3 bis 10- fache verglichen zu vielen anderen Beschäftigen in der Kaffeeindustrie, denn die gesamte Wertschöpfung findet in Äthiopien statt. So entstehen viele qualifizierte Jobs, zum Beispiel als Röstmeister/-in, Verpackungsentwickler/-in oder als Drucker/-in. Jedes Kilo gerösteter Kaffee bringt 60% mehr Geld für das Land im Vergleich zum Export von grünem Rohkaffee.

Würde von nun an nur noch eine vollständige Wertschöpfung stattfinden, würde das den Äthiopiern  einen Gewinn von ca. 340 Millionen Euro bringen. Bei einem Jahreseinkommen von 1200 Euro für jeden qualifizierten Arbeitsplatz, in etwa dem dreifachen des durchschnittlichen Arbeitslohnes, könnten so über 280.000 neue Jobs geschaffen werden- für Frauen und für Männer.

Aktuellen Schätzungen der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) zufolge könnte die Zahl der unterernährten Menschen um 100 – 150 Millionen reduziert werden, wenn die Ungleichheit der Geschlechter im Agrarsektor beseitigt würde. Während Frauen ihr verdientes Geld etwa zu 90 Prozent für die Ernährung der Familie und die Ausbildung der Kinder verwenden, sind es bei den Männern im Schnitt nur 30. Bei Solino ist der Anteil von arbeitenden Frauen zu Männern gleich. Regelmäßig werden Experten aus Deutschland nach Äthiopien entsendet, um vor Ort die Mitarbeiter aus- und weiterzubilden. Für Frauen wie Eyerus ist dies eine große Chance, um auch in Zukunft gute Jobs auf dem Arbeitsmarkt zu finden.

Es ist Zeit für den Konsumenten dieser Konversation beizutreten. Für viele Kaffeetrinker mag es sich anfühlen als wäre die Wahrheit hinter dem Kaffeeanbau weit entfernt und aus geografischer Sicht ist sie das ja auch. Doch unser Verlangen nach einer guten Tasse Kaffee muss mehr sein als nur das, was wir schmecken. Unsere Taten und Entscheidungen können sehr wohl einen Einfluss auf positive Veränderung haben und es ist an der Zeit, etwas zu ändern. 

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